Montag, 21. Oktober 2013

Tim Burton - Der melancholische Magier


Tim Burton:
Der melancholische Magier

Jahr: 2012 (überarbeitete Auflage)
368 Seiten

Meine Wertung:
Fast jeder kennt Tim Burton von den Klassikern "Nightmare before Christmas" und "Edward mit den Scherenhänden", vielleicht auch von "Alice im Wunderland" oder "Sleepy Hollow". Eher unerwartet ist, dass er auch an "Batman", "Batman returns" und "Planet der Affen" mitgearbeitet hat. Nun gibt es diese sehr liebevoll und persönlich gestaltete "Biografie" von ihm.

Inhalt:

Das Buch beginnt mit (inzwischen) zwei Vorwörtern von Johnny Depp, der inzwischen ja ebenso wie die creepy Atmosphäre zu einem Markenzeichen von Burtons Filmen geworden ist.
 
Im Buch wurden Ausschnitte aus Interviews der letzten 20 Jahre gesammelt, allerdings in einer sehr leseangenehmen Form: Burtons Aussagen wechseln sich ab mit kurzen Einschüben, die generelle Informationen liefern und zum nächsten Interviewstück überleiten. Dadurch entsteht ein angenehm zu lesender Fließtext und es wirkt fast so, als würde Burton das komplette Buch über selbst und zusammenhängend erzählen.
 
Hauptthema sind ein kurzer Überblick über seine Kindheit in einer Kalifornischen Vorstadt, seine Arbeit bei Disney und schließlich seine diversen Filme. Ziel des Ganzen ist es aber nicht, seine Biografie zu erfahren, sondern eher, seine Filme zu verstehen. Auch die biografischen Elemente des Buches dienen eher dazu, den persönlichen Bezug Burtons zu den Filmen bzw. deren Charakteren erkennbar zu machen. Das Buch behandelt die Filme bis einschließlich "Alice im Wunderland", d.h. zu "#9", "Dark Shadows" und "Frankenweenie" gibt es leider keine Infos mehr außer einer kurzen Auflistung im Anhang.

toll:

Was mir bei diesem Buch am meisten auffiel war, wie liebevoll und persönlich es geschrieben ist. Dadurch fühlt man sich irgendwie angesprochen und miteinbezogen, anstatt nur eine simple Biografie eines anderen Menschen durchzulesen. Sogar die Vorwörter von Johnny Depp habe ich gern gelesen, obwohl ich sonst um Vorwörter immer einen weiten Bogen mache!

Man bekommt eine recht detaillierte Vorstellung vom Charakter Burtons, was auf viele seiner Filme ein neues Licht wirft. Ähnlich wie viele seiner Figuren fühlt sich Burton beispielsweise als gesellschaftlicher Außenseiter. In seinen Filmen sind die Hauptfiguren oft merkwürdig und werden von der Gesellschaft als Freaks betrachtet. Burton jedoch meint, dass sie eigentlich viel normaler sind, als die Menschen um sie herum. Durch seine persönlichen Eindrücke von unserer Gesellschaft lässt sich das nachvollziehen:
Obwohl ich in der Vorstadt groß geworden bin, gibt es Aspekte des Lebens dort, die ich immer noch nicht richtig verstehe – etwa eine bestimmte Leere und Bedeutungslosigkeit, die über allem liegt und die mir auch bei meiner Familie aufgefallen ist. Ich hatte beispielsweise nie das Gefühl, dass meinen Eltern die Bilder, die sie an den Wänden hängen hatten, wirklich gefielen, dass sie sie irgendwann mal gekauft oder von jemandem geschenkt bekommen hatten. Es war beinahe so, als seien die Bilder schon immer dort gewesen, obwohl sie niemals jemand betrachtete. Ich habe mich immer gefragt: »Was zum Teufel soll das sein? Wo haben sie die künstlichen Weintrauben bloß her? Was bedeuten sie?« Die Vorstadt war ein Ort, der keinen Sinn für Geschichte oder Kultur und keine Leidenschaft für irgendetwas hatte. Man hatte zum Beispiel nie den Eindruck, dass die Leute eine bestimmte Musik mochten. Sie zeigten ihre Gefühle auch nicht. Man war gezwungen, sich entweder anzupassen und sich von einem Großteil seiner Persönlichkeit zu trennen oder ein starkes Innenleben zu entwickeln, was einem wiederum das Gefühl vermittelte, von der Außenwelt abgeschnitten zu sein.
Besonders in den ersten Abschnitten des Buches versucht Burton noch, sich den Konventionen anzupassen, beispielsweise während seiner Arbeit als Trickfilmzeichner bei Disney. Doch so wirklich glücklich und kreativ ausgelastet ist er dabei nicht. Schließlich beschließt er, einfach zu tun was ihm selbst gefällt, egal, was andere dazu sagen:
[...] wenn man älter wird, geschieht etwas mit einem. Die Gesellschaft treibt einem bestimmte Dinge aus. [..] Dann heißt es: »Nein, nein, so kannst du das nicht zeichnen. Du musst es so machen.« Ich erinnere mich, dass ich irgendwann furchtbar frustriert war – weil ich gern zeichnete, es aber eigentlich nicht richtig konnte. Doch dann kam mir eines Tages die Erleuchtung. Ich saß über einer Zeichnung und dachte: »Verdammt, ist mir doch egal, ob ich zeichnen kann oder nicht. Es macht mir einfach Spaß!« Und ich schwöre bei Gott, plötzlich besaß ich eine Freiheit, die ich vorher nicht hatte. [...] Und bis heute ringe ich darum, mir dieses Gefühl zu erhalten – besonders immer dann, wenn jemand sagt: »Das kannst du so nicht machen. Das ergibt keinen Sinn.«
Das Buch macht einfach Mut, seinen eigenen Weg zu gehen - sei es als Künstler oder auch einfach nur als Mensch.

Ein zusätzliches Schmankerl sind die vielen Fotos und diese furchtbar niedlichen Konzeptzeichnungen von Burton, die das Buch lebendig und "burtonesk" machen.

doof:

Zu Beginn des Buches wird leider zunächst relativ unzusammenhängend von einem Film zum nächsten gehopst, über jeden werden 2 - 3 Sätze gesagt. Wer noch keinen Überblick über Burtons Filme hat, kommt da vielleicht etwas ins Strudeln. Zur Not gibt es aber im Anhang noch eine Auflistung aller Filme, an denen er mitgewirkt hat, größtenteils auch mit einer Zusammenfassung der Handlung.

Was mich aber eher gestört hat war die häufige Wiederholung bestimmter Dinge, beispielsweise dass Butron einen  persönlichen Bezug zum Thema braucht:
Wenn ich nicht genau das machen kann, was ich will – was nicht heißen soll, dass das, was ich machen will, immer das Richtige ist –, leiste ich einfach keine gute Arbeit. Ich brauche einen persönlichen Bezug zum Thema.
Der Aspekt an sich ist zwar sehr wichtig und zieht sich ja auch durch sämtliche seiner Arbeiten. Es deshalb jedes mal wieder ausgeschmückt zu hören, ist aber irgendwann dann auch langweilig.

Fazit:

Ein wunderschönes Buch und viel mehr als nur eine Biografie! Es ist aus künstlerischer Sicht sehr inspirierend und macht Mut, den eigenen Weg zu gehen, egal, wie absonderlich der aussieht. Es ermutigt auch die, die einfach nicht so ganz zur Gesellschaft zu passen scheinen.

Am letzten Stern ist das Buch eigentlich nur vorbeigeschrammt, weil es zum Ende hin langsam etwas redundant wird... Empfehlen würde ich es jedem Tim Burton Fan, aber auch Leuten, die schon mehrere seiner Filme gesehen haben, da es einfach den Blick darauf verändert und einem die Filme dadurch viel mehr geben können. Außerdem jedem, der gern kreativ arbeitet, etwas verschroben ist oder einfach irgendwo während meiner Rezension einen persönlichen Bezug gespürt hat...

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