Montag, 2. Dezember 2013

Jonas Jonasson - Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Aloha,
heute geht's um ein Buch, um das man ja scheinbar nicht drum rum kommt. Amazon nervt mich jetzt schon gefühlt ein Jahr permanent damit als Lesevorschlag, also hab ich eben irgendwann nachgegeben (klares Beispiel dafür, dass Penetranz meist irgendwie doch siegt):


Jonas Jonasson:
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Jahr: 2011
417 Seiten

Meine Wertung:

Erster Satz:

Man möchte meinen, er hätte seine Entscheidung etwas früher treffen und seine Umgebung netterweise auch davon in Kenntnis setzen können. 

Inhalt:

...andererseits war es auch eine eher spontane Entscheidung, die Allan Karlsson da traf, als er an seinem einhundertsten Geburtstag aus dem Fenster seines Zimmers im Altenheim kletterte und mehr oder weniger ins Blaue hinein spazierte. Eher zufällig stiehlt er dann noch einen Koffer voller Geldscheine, legt sich mit einer Motorradgang an und wird von der Polizei zunächst als Opfer einer Entführung, schließlich als mutmaßlicher Mörder mehrerer Personen gesucht. Während seiner Flucht sammelt er natürlich einige Gestalten um sich, die fast genauso skurril sind wie er selbst. Auch der Elefant auf dem Cover gehört dazu.

Parallel zur (insgesamt eher kurz ausfallenden) Fluchtgeschichte wird in Rückblenden Allans Leben erzählt. Allan hat es nicht so mit Politik. Kein Wunder, denn übermäßiger politischer Eifer hat die Leute in seiner Umgebung noch nie weit gebracht. So auch seinen Vater, der als überzeugter Komminust von Schweden nach Russland ausgewandert ist, im denkbar ungeeignetsten Moment dann allerdings die Vorzüge des Kapitalismus entdeckte:
Für Allans Vater nahm das Ganze (...) eine persönliche Dimension an, da Lenin jegliches Privateigentum verboten hatte – genau einen Tag nachdem Allans Vater zwölf Quadratmeter erworben hatte, auf denen er schwedische Erdbeeren anbauen wollte. »Der Boden hat zwar nur vier Rubel gekostet, aber mein Erdbeerfeld verstaatlicht man mir nicht ungestraft!«, schrieb Allans Vater in seinem allerletzten Brief in die Heimat. Und er schloss mit den Worten: »Jetzt ist Krieg!«
(...) Allans Vater (hatte) ein Grundstück von zehn bis fünfzehn Quadratmetern eingezäunt und es zur unabhängigen Republik erklärt. Er hatte seinen Staat »Das richtige Russland« getauft und war bei dem Handgemenge gestorben, das entstand, als zwei Regierungssoldaten seinen Zaun einreißen wollten. Allans Vater hatte die Grenzen seines Landes mit bloßen Fäusten verteidigt und wollte partout nicht mit sich reden lassen. Schließlich wusste man sich keinen anderen Rat, als ihm eine Kugel zwischen die Augen zu verpassen, damit man den Abrissauftrag ausführen konnte. »Hättest du dir nicht eine etwas weniger dämliche Todesart aussuchen können?«, meinte Allans Mutter zu diesem Botschaftstelegramm.
Allan erlernt mehr oder weniger durch Eigenstudium die Kunst der Sprengstofftechnik, wobei er nicht nur versehentlich die Fehlgeburtsrate der nachbarlichen Kuh deutlich erhöht, sondern schließlich seine eigene Hütte in die Luft sprengt und dann einfach mal in die Weltgeschichte hineinspaziert.

Ähnlich wie Forrest Gump stolpert er von einer abstrusen Verwicklung in die nächste und beeinflusst damit die Weltpolitik maßgeblich, obwohl ihm Politik ja an sich egal ist (aber wenn der Staatschef schon so nett ist und einen zum Schnaps einlädt...). Wer sich schon immer fragte, warum China eigentlich kommunistisch wurde, wie die Amerikaner ihre Atombombe fertig konstruierten oder warum Stalin schließlich einen Herzinfarkt bekam, findet hier mögliche Antworten. Nebenbei lernt der Leser zahlreiche praktische Dinge fürs Leben, beispielsweise warum man seine Zigarette nicht in anderer Leute Kaffeetassen ausdrücken sollte oder wie man in Indonesien eine Landeerlaubnis für eine Boeing mit Elefanten an Bord erhält.


toll:

Jonasson schreibt einfach hinreißend naiv, mit einer großen Portion trockenem, manchmal schwarzem Humor. Als wären all die skurrilen Begebenheiten vollkommen normal.
Als Julius fünfundzwanzig war, starb erst seine Mutter an Krebs, und ihr Sohn trauerte sehr um sie. Wenig später ertrank der Vater im Sumpf, bei dem Versuch, eine Kuh zu retten. Auch da trauerte Julius sehr, denn er hatte wirklich an der Kuh gehangen.

Das Buch liest sich unter anderem auch dadurch recht lockerflockig und schnell. Großartig Atmosphäre kommt nicht auf, muss aber auch gar nicht, denn das ganze lebt von der blühenden Phantasie des Autors. Besonders der Epilog ist ziemlich originell.


doof:

Die meisten Rezensionen über dieses Buch loben ja die Sutiationskomik etc., meinen Sinn für Humor hat es dann allerdings nicht ganz getroffen. Es war amüsant zu lesen, das kann ich nicht bestreiten, aber ich hab weder gelacht noch in mein Knie gebissen (was bei zahlreichen anderen Büchern bereits passiert ist). Doch, Moment, eine Stelle fand ich ziemlich lustig:
»Na bitte«, sagte Allan und blickte auf den bewusstlosen chinesischen Soldaten zu seinen Füßen. »Wenn du mit einem Schweden um die Wette saufen willst, solltest du zumindest Finne oder Russe sein.«

Wie der Protagonist selbst eher passiv von einer Begebenheit zur nächsten trudelt, plätscherte auch für mich die Geschichte eher so vor sich her, bis auf die gelegentlichen Einschübe mit dem Erzählstrang in der Gegenwart fehlte irgendwie der Rahmen.


Fazit:

Es ist nichts, was mir langfristig im Gedächtnis bleiben wird, aber es war wirklich nett zu lesen.
Erfordert nicht viel Konzentration, also eher eine entspannende Urlaubslektüre oder für abends wenn man schon halbtot im Bett liegt und sich trotzdem noch weigert das Licht auszuschalten. Für Fans von Forrest Gump und diejenigen, die sich auch mal für total abwegige Geschichten erwärmen können. Nicht für Leute, die auf Realismus hoffen.

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