Montag, 9. Dezember 2013

Polly Shulman - Die geheime Sammlung

Aloha,
heute ein Jugendbuch, das ich ziemlich schnell "nebenbei" gelesen habe, das mir aber sehr gut gefiel:


Polly Shulman:
Die geheime Sammlung

Jahr: 2010
352 Seiten

Meine Wertung:

Erster Satz:

Es schneite große, klebrige Flocken, die mir unter den Kragen wehten, weil mein oberster Knopf fehlte. 

Inhalt:

Die Außenseiterin Elizabeth bekommt von ihrem Lehrer einen Nebenjob im New Yorker Repositorium der verleihbaren Schätze vermittelt. Das funktioniert ähnlich wie eine Bibliothek, nur, dass man hier alles mögliche ausleihen kann, vom Teeservice bis zur Perrücke Marie Antoinettes. Elizabeth und andere Jugendliche fungieren als Pagen, indem sie die Bestellungen bearbeiten und die Objekte in verschiedenen Sammlungen verwalten. Eine der geheimen Sammlungen des Repositoriums ist die Grimm-Sammlung, in der sich magische Gegenstände aus den Märchen der Gebrüder Grimm befinden... Auch sie können von berechtigten Personen gegen einen Pfand ausgeliehen werden.

Schnell hört Elizabeth allerdings Gerüchte über einen riesigen Vogel, der Angestellte verfolgt, über Diebstähle und Gegenstände, die plötzlich ihre magische Kraft verloren haben. Es kommt, wie es kommen muss: eine Pagin verschwindet und Elizabeth und ihre Kollegen müssen versuchen, sie zu finden und den Dieb zu fassen. Auf dem Spiel stehen außerdem Elizabeths Orientierungssinn und das zukünftige Erstgeborene eines Kollegen, die beide als Pfand für entliehene Gegenstände hinterlegt wurden...


toll:

Die Geschichte ist ziemlich lustig und spannend geschrieben und lebt hauptsächlich von den verschiedenen Gegenständen, die das Repositorium zu bieten hat und die von den Protagonisten ziemlich kreativ verwendet werden, um dem Dieb auf die Schliche zu kommen. Da wird beispielsweise der Spiegel von Schneewittchens böser Stiefmutter interviewt oder ein Schrumpfstrahler (aus der Science-Fiction-Sammlung) missbraucht, um Leute in der Rohrpost zu verschicken...
 
Es ist ein ziemlich kurzweiliges Buch, das natürlich viele Anspielungen auf Grimms Märchen macht. Man muss diese nicht kennen, da sie meist im Dialog kurz zusammengefasst werden. Ich hab trotzdem mein Märchenbuch in Griffweite gehabt, um die jeweils passenden Geschichten dazwischenzuschieben.


doof:

Nun ja, es ist ein Jugendbuch. Der Mangel an Tiefsinnigkeit bei den Charakteren und der recht unverschlungene Handlungsstrang sind daher wohl irgendwie zu entschuldigen. Allerdings verstehe ich langsam echt nicht mehr, warum Protagonisten in Jugendbüchern ständig bemitleidenswerte Außenseiter sein müssen. Hier geht es nun sogar noch so weit, dass Elizabeth nicht nur keine Freunde hat, sondern obendrein auch keine Mutter mehr, dafür eine böse Stiefmutter, Stiefschwestern die ihr vorgezogen werden und einen Vater, der sie vernachlässigt. Oh, und außerdem wie es scheint keinerlei Hobbies oder Interessen, abgesehen von Hausaufgaben.
Im Laufe des Buches füllt das Repositorium dann natürlich die Leere in ihrem Leben komplett aus und sie bekommt einen Haufen neuer Freunde. Man kanns ja auch übertreiben...


Fazit:

Ein unterhaltsamer, aber leider recht kurzer Ausflug mit magischen Gegenständen aus diversen Märchen. Die von mir kritisierte "Aschenputtelsituation" der Protagonistin nervt eigentlich nur zu Beginn und zum Ende hin. Ansonsten ist es ein wundervolles Buch für Leute, die Phantastik, Märchen oder verzauberte Digne mögen. Mir als Architekturnerd hat natürlich auch das Gebäude des Repositoriums gefallen, das beim Lesen in meinem Kopf entstand.

Offenbar existiert im Englischen bereits eine eigenständige Fortsetzung des Buches, die von der Sammlung des Wells-Erbes handelt und in der nun wohl auch die bereits erwähnte Zeitmaschine vorkommt... Wird dann wohl eines meiner nächsten Bücher werden!

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