Montag, 20. Januar 2014

Der ökologische Fußabdruck - welche Schuhgröße hab ich denn nun?

Aloha,

in den letzten Jahren war ich Tutorin für ziemlich viele Studenten im ersten Semester Umweltingenieurwesen. Ich hab da eine Übung geleitet, in der über verschiedene Aspekte der Umweltwissenschaften diskutiert wird, unter anderem geht es auch um die ökologischen Grenzen des Planeten, Nachhaltigkeit, globale Fairness, Umgang der Gesellschaft mit dem Thema und was man selbst tun kann usw... Die Ansichten dieser angehenden Hoffnungsträger für unsere Welt waren größtenteils ernüchternd bis erschütternd (und ich hab mich bei rund 80% der in den Kursen befindlichen gefragt, wie sie bei so viel Desinteresse an der Umwelt gerade dieses Studienfach ausgewählt haben, aber egal). Als anschauliche Größe haben wir jedenfalls oft den sogenannten ökologischen Fußabdruck (bzw. ecological footprint) angesprochen.

Was ist der ökologische Fußabdruck?
Der ökologische Fußabdruck rechnet genutzte Ressourcen so um, dass wir ein Maß dafür bekommen, wie viel unserer Erde für unseren Lebensstil beansprucht wird. So würde unsere eine Erde, wenn man sie gerecht aufteilt und nachhaltig nutzt, für jeden 1,8 Hektar Fläche zur Verfügung stellen. Ein durchschnittlicher Bewohner des afrikanischen Kontinents benötigt etwa 1,4 Hektar, ein durchschnittlicher Deutscher 4,6. Das bedeutet, dass wir etwa 2,4 Planeten bräuchten, wenn jeder so leben würde wie der Durchschnittsdeutsche. Im Weltdurchschnitt benötigen wir 2,7 Hektar pro Person und damit etwa 1,5 Planeten - wir haben aber nur einen. Das, was aktuell mehr verbaucht wird, geht zulasten des Ökosystems - und damit schrumpft natürlich auch die nutzbare Fläche, die wir für die Zukunft noch haben.
Dieses System hat zwar einige Schwächen und Ungenauigkeiten, hilft aber sehr gut für eine grobe Orientierung.

Wie berechne ich meinen Fußabdruck?
Da ich mich in letzter Zeit viel mit kritischen Büchern zum Thema Umweltzerstörung durch Konsum beschäftigt habe und eigentlich dachte, ich leb ja relativ umweltbewusst, dacht ich mir ich berechne mir mal wieder einen solchen Fußabdruck. Dazu gibt es verschiedene Rechner im Internet. Leider habe ich keine mich wirklich zufriedenstellende Berechnungsmethode gefunden, und darum einfach mal verschiedene Rechner durchprobiert:

Der ziemlich einfach gestrickte offizielle deutsche Rechner spuckt für mich 3,3 Hektar (1,8 Erden) aus. Was reinknallt, sind meine Flugreisen - etwa jedes zweite Jahr fliege ich wirklich weit. Daher hab ich in der Berechnung den Durchschnitt angegeben (und nicht direkt das letzte Jahr, in dem wir nach New York geflogen sind).

Der österreichische Rechner ist etwas ausführlicher und besonders interessant, weil man hier direkt beim Beantworten der Frage den Einfluss der Antwort erkennen kann - boah is das schön wenn man anklickt, kein Fleisch zu essen und der Fußabdruckbalken für die Kategorie "Essen" sich gleich mal halbiert! Für die leidigen Flüge hab ich das Jahresmittel genommen - da schoss der Balken nach oben! *urk* Und ich komme auf 5,2 Hektar, also 3 Erden! *keuch* Dabei ess ich kein Fleisch, kaufe außer Lebensmitteln kaum etwas, besitze kein Auto und Freund beschwert sich seit einiger Zeit, dass unser Stromverbrauch viel zu niedrig sei, als dass sich ein Stromanbieterwechsel lohnen würde... Alles nur wegen der Flüge!
Der ebenfalls recht ausführliche Rechner des WWF Schweiz hat mir nur 1,5 Erden ausgespuckt, da befinde ich mich (trotz Flüge!) offenbar im Weltdurchschnitt. Ein anderer WWF-Rechner hat mir, wenn ich angebe dass ich in der Schweiz lebe, allerdings 2,4 Erden angegeben, was zum größten Teil daran lag, dass meine Nahrungsmittel wohl nicht regional genug waren. Bei einem ziemlich oberflächlichen Rechner aus England komme ich dann noch auf 1,9 Erden.

Also, wenn ich das ganz stupide mittle... bin ich bei 2,1 Erden (wobei es relativ egal ist, ob ich diesen komischen englischen Rechner mitberücksichtige). Schon irgendwie ernüchternd... 

Was bringt mir das jetzt?
Auch wenn die Zahlenangabe nicht wirklich verlässlich ist, so bekommt man doch ein Gefühl dafür, in welchen Bereichen man, vielleicht unerwartet, die Umwelt stark belastet, und kann überlegen, wo man noch Einsparpotential hat.

Bei mir würde ein großer Effekt auftreten, wenn ich die Flugreisen lassen würde und wenn ich mehr lokale Nahrungsmittel kaufen würde.
Ersteres ist für mich richtig hart - und ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass ich in naher Zukunft auf Flugreisen verzichten werde, da ich einfach ein absoluter Entdecker bin. Zumindest werd ich mich aber an den Fußabdruck erinnern und die Flugreisen nicht häufiger unternehmen, sondern weiterhin auch alternative Trips wie Kurzreisen ohne Flug oder Campingtouren. Sofern es für mich weiter weg geht, leg ich aber auch Wert auf eine Unterkunft mit möglichst wenig Verschwendungswut - unglaublich, dass die meisten Hotels z.B. jeden Tag überall neue Handtücher hinhängen! Ebenso furchtbar sind diese ganzen eingepackten Seifchen, Duschgelpäckchen usw....
Was die lokalere Lebensmittelversorgung angeht, werd ich demnächst tatsächlich einige Veränderungen vornehmen. Leidlicherweise kann man dann nicht mehr alles bei Aldi kaufen, was bei einem ziemlich minimalen Lebensunterhalt wirklich schwer ist - aber bald ist das Studium zum Glück beendet, und sogar mit Hartz4 würde sich meine finanzielle Situation dann deutlich bessern (so dämlich das klingt, es ist wirklich so).


Wie groß ist euer Fußabdruck, und woran meint ihr liegt das hauptsächlich? Seht ihr bei euch noch Einsparpotentiale?

Kommentare:

  1. Also ich hab den österreichschen Rechner ausprobiert, komme dabei auf 3,18 ha oder 1.87 Planeten. Woran das liegt? Wir wohnen in einem sehr alten Haus, wo mit Öl geheizt und das so gut wie isoliert ist. Was anderes können wir uns nicht leisten. Auch die Zugfahrten, auf die ich nunmal angewiesen bin, tragen einen Teil dazu bei. Was mich am meisten überrascht hat, war, dass meine 4 Kleintiere die ha hochschießen lassen haben... Warum, verstehe ich auch nicht..

    Naja, ist mal interessant, das so zu sehen. Ändern kann ich vorerst aber nicht wirklich was..

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  2. Also ich habe den offiziellen deutschen Rechner ausprobiert und komme da auf 4,42 ha und 2,46 Erden. Bei mir machen Wohnen und Energie 51% aus. Allerdings wohnen wir zur Miete und es wird mit Heizöl geheizt und auf die Sanierung haben wir da ja auch keinen Einfluss. Da kann man es bei seinem eignen Häuschen später nur besser machen :)

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