Sonntag, 29. Dezember 2013

Jahresrückblick 2013

Aloha,
wie in meinem alten Blog üblich, möchte ich auch hier wieder einen kleinen Jahresrückblick machen... Dieses Jahr hatte einige Änderungen parat, war super anstrengend und ging ganz schön ins Geld. Dafür hab ich aber auch eine wunderbare Reise machen können und bin meinem Diplom ein riesiges Stück näher gekommen.


Das war toll:
- dass keine größeren Krankheiten oder Gebrechen in der Familie aufkamen
- dass ich mit Freund in eine knuffige Wohnung zusammengezogen bin
- dass beim Studium endlich das Ende absehbar ist
- Ausflüge mit Freund, zum Beispiel in den Europapark, auf nen Mittelaltermarkt oder zum Drachensteigen
- im Wald um die Ecke Pilze suchen mit einem lieben Kumpel

Das war doof:
- dass meine Muddi & Omi sich noch mehr Sorgen um Geld machen als letztes Jahr schon
- Hochzeitszwangsbesuch
- dass in der Uni z.B. ein Ordner mit meinen Scheinen verloren ging und das ganze einfach ein absoluter Chaosladen ist
- dass ich den Polnischkurs nicht mehr weitermachen konnte (unter anderem, weil wir nach Polen fahren mussten)

Das hab ich neu:
- die Wohnung mit Freund, plus Balkon
- einen absolut dämlichen Plüschwikingerhelm mit zwei dicken Zöpfen dran aus dem Europapark
- Begeisterung fürs Eishockey

Das hab ich nicht mehr:
- meine beiden Mitbewohner und meine alten lieben Nachbarn
- ein funktionstüchtiges Fahrrad
- meinen dämlichen Handyvertrag bei O2 (bzw. ab März, aber prinzipiell ist er weg)
- Probleme mit meinem Rückenwirbel, dank Yoga

Was ich gelernt hab:
- unglaublich abstraktes Wissen über Wellenmodellierung
- dass ein Diplom/Examen nicht zwangsläufig bedeutet, dass eine Person Grundintelligenz besitzt
- "Die gelbe Krawatte"

Was ich geschafft hab:
- 2 Piratenkostüme selbst zu basteln und den Halloweenkostümwettbewerb zu gewinnen
- generell das erste mal was zu gewinnen (das Meditationskissen versehentlich bei einer Umfrage)
- meine B-Vertiefung in Wasserbau und den ganzen Hauptvertieferbereich in Infrastrukturplanung
- die leckersten Cupcakes zu backen, die mein Trainer je gegessen hat
- einen gemütlichen Balkon einzurichten

Reisen & Trips 2013:
die üblichen Trips nach Berlin und Bad Wildungen, eine unglaublich tolle Reise nach New York, ein Kurztrip nach Warschau und in ein polnisches Kaff kurz vor Weißrussland, Europapark, Augsburg und über Silvester Pilsen

Grundnahrungsmittel 2013:
- viele Küchenkräuter
- Nori-Algen

Im Gedächtnis bleibende Momente:
- wie sich ein 1,95 m Freund in eine 1,20 m Badewanne klemmt
- Abendessen mit einem Nobelpreisträger
- ein Blumenstrauß mit einer pinken Ananas drin 


Wünsche für 2014:
- Studium abschließen & Arbeit finden
- mit Freund einigen wo wir dann wohnen und ob/wann/wo er dann promovieren will
- wieder ein bisschen entrümpeln

Freitag, 20. Dezember 2013

Corina Bomann - Und morgen am Meer

Aloha,
ich möchte noch grad ein Buch vorstellen, das ich heute auf der Fahrt nach Berlin verschlungen hab. Ich hatte ja vor einiger Zeit ein anderes Buch von Corina Bomann vorgestellt (Die Schmetterlingsinsel), was doch eher durchwachsen war. Die Erwartungen an dieses Buch waren daher eher neidrig, zumal es nach eher seichter Liebesgeschichte aussah. Aber glücklicherweise hab ich der Autorin doch nochmal ne Chance gegeben...


Corina Bomann:
Und morgen am Meer

Jahr: 2013
350 Seiten

Meine Wertung:

  + 

Erster Satz:

Den ganzen Tag über war es schwül und drückend gewesen.

Inhalt:

Im Sommer 1989 ist Milena 17 und lebt im Ostberlin. Ihr großer Traum ist es, das Mittelmeer zu sehen, doch der Traum scheint unerreichbar. Sie und ihre Freundin nehmen gern Musik aus dem Radio auf Kassette auf, was gar nicht so leicht ist, denn Milenas altes Radio hat einen grausigen Empfang. Umso schlimmer ist es für sie, als sie eine mühevoll zusammengeschnittene Kassette in der S-Bahn verliert.
»Nun komm schon, das macht doch nichts!«, versuchte Sabine mich zu trösten, als mir schon die Tränen kamen. »Bespielst du eben ’ne neue Kassette. Ich hab sogar noch welche da.« Um die Kassette ging es mir nicht. Es ging mir um all die Arbeit, die ich in die Aufnahmen gesteckt hatte. Um all das Herumlaufen in meinem Zimmer, bis ich einen Punkt gefunden hatte, an dem der Empfang gut genug war. Um all das Hoffen, dass endlich mal das richtige Lied kam, das perfekte Lied, das nur einmal in Wochen oder Monaten gespielt wurde.
Ein ihr unbekannter Junge namens Claudius, der sie in der S-Bahn entdeckt hatte, findet die Kassette und schafft es tatsächlich, sie ihr am nächsten Tag zurückzubringen. Das allein ist schon irgendwie verwirrend, dazu kommt noch die Tatsache, dass Cornelius aus Westberlin ist!

So entsteht etwas überstürzt eine Romanze. Zeitgleich rückt Milena aber die Stasi auf den Hals - nicht nur aufgrund des Kontakts zu Claudius, dem Klassenfeind, sondern auch wegen der Vergangenheit von Milenas Familie, die ganz plötzlich über ihr zusammenbricht. Schließlich schmuggelt sich Claudius in Lebensgefahr nach Ostberlin hinein, um gemeinsam mit ihr zu flüchten und ans Mittelmeer zu reisen.


toll:

Nun gut, ich muss dazu sagen, dass ich ja aus (West)Berlin komme und aus der Zeit, in der das Buch spielt, schon bewusste Erinnerungen habe. Wir wohnten damals direkt an der Mauer, und ich erinnere mich an zwei Besuche in Ostberlin. Ich weiß auch noch, wie damals an einem Vormittag plötzlich dutzende Trabbis durch unsere Straße fuhren und die Geschäfte (diesmal auf Westseite) tagelang praktisch leergekauft waren. Und wie ich selbst ein buntes Stück Mauer eingesammelt habe. Daher hat das Buch natürlich einen klaren Heimvorteil, zumal ich sämtliche Bahnhöfe und Straßen kenne und die Geschichte daher unglaublich lebendig und nah wirkte. Auch durch die beschriebenen Geisterbahnhöfe bin ich früher gefahren...
Langsam fuhren wir durch den ersten Bahnhof, dessen Kacheln schmutzig, gesprungen oder abgeplatzt und auf dem Boden zerschellt waren. Eine Seifenreklame blätterte langsam von der Wand ab. Der Schriftzug »Potsdamer Platz« war nur schemenhaft in dem kalten, grünlichweißen Neonlicht zu erkennen.
In dieser alten Doku gibt es noch einige Aufnahmen vom damaligen Geisterbahnhof Potsdamer Platz (inzwischen ja wieder einer der wuseligsten Plätze Berlins!).

Es wird viel vom damaligen Alltagsleben in der DDR beschrieben, und da die Autorin selbst ungefähr Milenas Jahrgang ist und in Mecklenburg aufgwachsen ist, kommt das auch sehr realtistisch rüber. Nur am Berliner Di(j)alekt könnte noch ein wenig gefeilt werden (und wir sehen gnädig darüber hinweg, dass Nick Kamens Song "I promised myself" erst ein Jahr später aufgenommen wurde, aber es ist ja auch einfach ein tolles Lied).

Besonders toll fand ich, dass die bedeutende Ansprache von Genscher in der Prager Botschaft erwähnt wird, für mich mit einer der emotionalsten Momente in dieser Zeit:
Einen Moment herrschte vollkommene Stille, dann tönte die Stimme Hans-Dietrich Genschers durch die Lautsprecher. »Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise …« Mehr verstand man nicht, denn die Menge brach in lauten Jubel und Geschrei aus. Leute weinten, fielen sich in die Arme. Auch ich klammerte mich an Claudius und begann zu weinen.
Hier gibt es einen ganz kurzen Dokufilm bei youtube darüber. Die beschriebene Szene startet bei etwa 2:20. 

Gefallen hat mir außerdem, dass die Kapitel nach den Liedern auf Milenas Kassette benannt wurden. Die Playlist mit allen Liedern darauf findet ihr übrigens hier. Gerade an der Stelle fällt mir nochmal auf, wie verstörend selbstverständlich vieles für uns ist. Während Milena eine ganze Woche Arbeit investiert, um diese Playlist verrauscht und mit abgehacktem Songbeginn auf ihre Kassette aufzunehmen, brauchen wir nur einen Klick. Die Einschränkungen für die meisten DDR-Bürger waren verglichen mit unserem Lebensstil extrem, und das liegt keine 25 Jahre zurück. Und trotzdem hat man sich damals seinen Humor bewahrt und was draus gemacht, was im Buch auch gut rüberkommt.


doof:

Hier könnte ich jetzt bemängeln, dass es ja völlig unrealistisch ist, dass Milena und Claudius sich innerhalb von nur wenigen Treffen derart ineinander verlieben, dass sie gemeinsam flüchten. Ich tu es aber nicht, da zum einen dadurch das Buch sehr dynamisch bleibt und zum anderen... herrje, die beiden stecken doch noch in der Pubertät. Da kann sowas durchaus mal vorkommen... Zumindest das Unverständnis für die Mauer und der Zorn, den die beiden schließlich auf die Politik und zum Teil auf ihre Eltern empfinden, wird gerade durch die Jugend sehr überzeugend. Also warum nicht auch eine etwas überstürzte erste große Liebe?


Fazit:

Ein Buch, das zwar vom eigentlichen Plot her relativ einfallslos erscheint, aber gerade durch diese ganz gewöhnliche Geschichte im Kontext mit den Grenzen und dem Zusammenbruch der DDR sehr stark wirkt. Unbedingt empfehlenswert für alle, die einen persönlichen Bezug zu dieser Zeit haben oder sich dafür interessieren. Falls ihr nicht viel Hintergrundwissen habt, lohnt es sich evtl. ergänzend einige Doku-Videos auf youtube anzusehen. Oh, und hört euch die Musik auf Milenas Kassette an! Die Musik der 80er war einfach toll...

PS: keine Panik, es wird nicht wirklich schnulzig!

Montag, 9. Dezember 2013

Polly Shulman - Die geheime Sammlung

Aloha,
heute ein Jugendbuch, das ich ziemlich schnell "nebenbei" gelesen habe, das mir aber sehr gut gefiel:


Polly Shulman:
Die geheime Sammlung

Jahr: 2010
352 Seiten

Meine Wertung:

Erster Satz:

Es schneite große, klebrige Flocken, die mir unter den Kragen wehten, weil mein oberster Knopf fehlte. 

Inhalt:

Die Außenseiterin Elizabeth bekommt von ihrem Lehrer einen Nebenjob im New Yorker Repositorium der verleihbaren Schätze vermittelt. Das funktioniert ähnlich wie eine Bibliothek, nur, dass man hier alles mögliche ausleihen kann, vom Teeservice bis zur Perrücke Marie Antoinettes. Elizabeth und andere Jugendliche fungieren als Pagen, indem sie die Bestellungen bearbeiten und die Objekte in verschiedenen Sammlungen verwalten. Eine der geheimen Sammlungen des Repositoriums ist die Grimm-Sammlung, in der sich magische Gegenstände aus den Märchen der Gebrüder Grimm befinden... Auch sie können von berechtigten Personen gegen einen Pfand ausgeliehen werden.

Schnell hört Elizabeth allerdings Gerüchte über einen riesigen Vogel, der Angestellte verfolgt, über Diebstähle und Gegenstände, die plötzlich ihre magische Kraft verloren haben. Es kommt, wie es kommen muss: eine Pagin verschwindet und Elizabeth und ihre Kollegen müssen versuchen, sie zu finden und den Dieb zu fassen. Auf dem Spiel stehen außerdem Elizabeths Orientierungssinn und das zukünftige Erstgeborene eines Kollegen, die beide als Pfand für entliehene Gegenstände hinterlegt wurden...


toll:

Die Geschichte ist ziemlich lustig und spannend geschrieben und lebt hauptsächlich von den verschiedenen Gegenständen, die das Repositorium zu bieten hat und die von den Protagonisten ziemlich kreativ verwendet werden, um dem Dieb auf die Schliche zu kommen. Da wird beispielsweise der Spiegel von Schneewittchens böser Stiefmutter interviewt oder ein Schrumpfstrahler (aus der Science-Fiction-Sammlung) missbraucht, um Leute in der Rohrpost zu verschicken...
 
Es ist ein ziemlich kurzweiliges Buch, das natürlich viele Anspielungen auf Grimms Märchen macht. Man muss diese nicht kennen, da sie meist im Dialog kurz zusammengefasst werden. Ich hab trotzdem mein Märchenbuch in Griffweite gehabt, um die jeweils passenden Geschichten dazwischenzuschieben.


doof:

Nun ja, es ist ein Jugendbuch. Der Mangel an Tiefsinnigkeit bei den Charakteren und der recht unverschlungene Handlungsstrang sind daher wohl irgendwie zu entschuldigen. Allerdings verstehe ich langsam echt nicht mehr, warum Protagonisten in Jugendbüchern ständig bemitleidenswerte Außenseiter sein müssen. Hier geht es nun sogar noch so weit, dass Elizabeth nicht nur keine Freunde hat, sondern obendrein auch keine Mutter mehr, dafür eine böse Stiefmutter, Stiefschwestern die ihr vorgezogen werden und einen Vater, der sie vernachlässigt. Oh, und außerdem wie es scheint keinerlei Hobbies oder Interessen, abgesehen von Hausaufgaben.
Im Laufe des Buches füllt das Repositorium dann natürlich die Leere in ihrem Leben komplett aus und sie bekommt einen Haufen neuer Freunde. Man kanns ja auch übertreiben...


Fazit:

Ein unterhaltsamer, aber leider recht kurzer Ausflug mit magischen Gegenständen aus diversen Märchen. Die von mir kritisierte "Aschenputtelsituation" der Protagonistin nervt eigentlich nur zu Beginn und zum Ende hin. Ansonsten ist es ein wundervolles Buch für Leute, die Phantastik, Märchen oder verzauberte Digne mögen. Mir als Architekturnerd hat natürlich auch das Gebäude des Repositoriums gefallen, das beim Lesen in meinem Kopf entstand.

Offenbar existiert im Englischen bereits eine eigenständige Fortsetzung des Buches, die von der Sammlung des Wells-Erbes handelt und in der nun wohl auch die bereits erwähnte Zeitmaschine vorkommt... Wird dann wohl eines meiner nächsten Bücher werden!

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Montag, 2. Dezember 2013

Jonas Jonasson - Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Aloha,
heute geht's um ein Buch, um das man ja scheinbar nicht drum rum kommt. Amazon nervt mich jetzt schon gefühlt ein Jahr permanent damit als Lesevorschlag, also hab ich eben irgendwann nachgegeben (klares Beispiel dafür, dass Penetranz meist irgendwie doch siegt):


Jonas Jonasson:
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Jahr: 2011
417 Seiten

Meine Wertung:

Erster Satz:

Man möchte meinen, er hätte seine Entscheidung etwas früher treffen und seine Umgebung netterweise auch davon in Kenntnis setzen können. 

Inhalt:

...andererseits war es auch eine eher spontane Entscheidung, die Allan Karlsson da traf, als er an seinem einhundertsten Geburtstag aus dem Fenster seines Zimmers im Altenheim kletterte und mehr oder weniger ins Blaue hinein spazierte. Eher zufällig stiehlt er dann noch einen Koffer voller Geldscheine, legt sich mit einer Motorradgang an und wird von der Polizei zunächst als Opfer einer Entführung, schließlich als mutmaßlicher Mörder mehrerer Personen gesucht. Während seiner Flucht sammelt er natürlich einige Gestalten um sich, die fast genauso skurril sind wie er selbst. Auch der Elefant auf dem Cover gehört dazu.

Parallel zur (insgesamt eher kurz ausfallenden) Fluchtgeschichte wird in Rückblenden Allans Leben erzählt. Allan hat es nicht so mit Politik. Kein Wunder, denn übermäßiger politischer Eifer hat die Leute in seiner Umgebung noch nie weit gebracht. So auch seinen Vater, der als überzeugter Komminust von Schweden nach Russland ausgewandert ist, im denkbar ungeeignetsten Moment dann allerdings die Vorzüge des Kapitalismus entdeckte:
Für Allans Vater nahm das Ganze (...) eine persönliche Dimension an, da Lenin jegliches Privateigentum verboten hatte – genau einen Tag nachdem Allans Vater zwölf Quadratmeter erworben hatte, auf denen er schwedische Erdbeeren anbauen wollte. »Der Boden hat zwar nur vier Rubel gekostet, aber mein Erdbeerfeld verstaatlicht man mir nicht ungestraft!«, schrieb Allans Vater in seinem allerletzten Brief in die Heimat. Und er schloss mit den Worten: »Jetzt ist Krieg!«
(...) Allans Vater (hatte) ein Grundstück von zehn bis fünfzehn Quadratmetern eingezäunt und es zur unabhängigen Republik erklärt. Er hatte seinen Staat »Das richtige Russland« getauft und war bei dem Handgemenge gestorben, das entstand, als zwei Regierungssoldaten seinen Zaun einreißen wollten. Allans Vater hatte die Grenzen seines Landes mit bloßen Fäusten verteidigt und wollte partout nicht mit sich reden lassen. Schließlich wusste man sich keinen anderen Rat, als ihm eine Kugel zwischen die Augen zu verpassen, damit man den Abrissauftrag ausführen konnte. »Hättest du dir nicht eine etwas weniger dämliche Todesart aussuchen können?«, meinte Allans Mutter zu diesem Botschaftstelegramm.
Allan erlernt mehr oder weniger durch Eigenstudium die Kunst der Sprengstofftechnik, wobei er nicht nur versehentlich die Fehlgeburtsrate der nachbarlichen Kuh deutlich erhöht, sondern schließlich seine eigene Hütte in die Luft sprengt und dann einfach mal in die Weltgeschichte hineinspaziert.

Ähnlich wie Forrest Gump stolpert er von einer abstrusen Verwicklung in die nächste und beeinflusst damit die Weltpolitik maßgeblich, obwohl ihm Politik ja an sich egal ist (aber wenn der Staatschef schon so nett ist und einen zum Schnaps einlädt...). Wer sich schon immer fragte, warum China eigentlich kommunistisch wurde, wie die Amerikaner ihre Atombombe fertig konstruierten oder warum Stalin schließlich einen Herzinfarkt bekam, findet hier mögliche Antworten. Nebenbei lernt der Leser zahlreiche praktische Dinge fürs Leben, beispielsweise warum man seine Zigarette nicht in anderer Leute Kaffeetassen ausdrücken sollte oder wie man in Indonesien eine Landeerlaubnis für eine Boeing mit Elefanten an Bord erhält.


toll:

Jonasson schreibt einfach hinreißend naiv, mit einer großen Portion trockenem, manchmal schwarzem Humor. Als wären all die skurrilen Begebenheiten vollkommen normal.
Als Julius fünfundzwanzig war, starb erst seine Mutter an Krebs, und ihr Sohn trauerte sehr um sie. Wenig später ertrank der Vater im Sumpf, bei dem Versuch, eine Kuh zu retten. Auch da trauerte Julius sehr, denn er hatte wirklich an der Kuh gehangen.

Das Buch liest sich unter anderem auch dadurch recht lockerflockig und schnell. Großartig Atmosphäre kommt nicht auf, muss aber auch gar nicht, denn das ganze lebt von der blühenden Phantasie des Autors. Besonders der Epilog ist ziemlich originell.


doof:

Die meisten Rezensionen über dieses Buch loben ja die Sutiationskomik etc., meinen Sinn für Humor hat es dann allerdings nicht ganz getroffen. Es war amüsant zu lesen, das kann ich nicht bestreiten, aber ich hab weder gelacht noch in mein Knie gebissen (was bei zahlreichen anderen Büchern bereits passiert ist). Doch, Moment, eine Stelle fand ich ziemlich lustig:
»Na bitte«, sagte Allan und blickte auf den bewusstlosen chinesischen Soldaten zu seinen Füßen. »Wenn du mit einem Schweden um die Wette saufen willst, solltest du zumindest Finne oder Russe sein.«

Wie der Protagonist selbst eher passiv von einer Begebenheit zur nächsten trudelt, plätscherte auch für mich die Geschichte eher so vor sich her, bis auf die gelegentlichen Einschübe mit dem Erzählstrang in der Gegenwart fehlte irgendwie der Rahmen.


Fazit:

Es ist nichts, was mir langfristig im Gedächtnis bleiben wird, aber es war wirklich nett zu lesen.
Erfordert nicht viel Konzentration, also eher eine entspannende Urlaubslektüre oder für abends wenn man schon halbtot im Bett liegt und sich trotzdem noch weigert das Licht auszuschalten. Für Fans von Forrest Gump und diejenigen, die sich auch mal für total abwegige Geschichten erwärmen können. Nicht für Leute, die auf Realismus hoffen.

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